Schreiben über das Schreiben – warum ich diese website habe

Politik. Was macht man damit?
Wie die meisten meiner Freund*innen oder generell die meisten Leute, die mir in den letzten 2 Monaten begegnet sind, mitbekommen haben, bin ich zur Zeit Feuer und Flamme für ein einziges Thema. Ein Thema, das ich für mich als neue Tür für politische Partizipation gefunden habe: Das Schreiben.
Mein Versuch Sinn aus meinen Worten zu kitzeln hat mich die letzten Monate beschäftigt, frustriert und begeistert. Also will ich euch mal erzählen, was ich daran so spannend und schwierig finde. Ich schreibe über das schreiben.

Ich wurde inspiriert durch meine liebe Freundin und Frontsängerin Antonella, die einen Blog gegründet hat um selbstständig geschriebene Artikel über (Live) Musik veröffentlichen zu können. So bin ich auf die Idee gekommen auch eine Website anzulegen. Eigentlich nur um ein Portal nutzen zu können, auf dem man umfangreicher und flexibler teilen kann als auf den gängigen sozialen Medien. Schreiben tue ich sowieso viel, aber Veröffentlichung meiner Texte kam mir nie in den Sinn. Verlage, Zeitungen oder Online Magazine waren einen Schritt zu weit weg von meiner Realität um mir in den Kopf zu kommen. Ich bin ja keine Schriftstellerin. Soziale Medien sind ein Schritt zu kurz. Da ist die Message nach 24 Stunden verloren und wer liest auf Instagram schon einen Text, der länger als 2 Zeilen ist? Aber eine Website? Sowas gibts ja auch noch.

Dieser Funke hat blitzschnell Feuer gefangen. 

Als ich die ersten Zeilen für die Homepage schreiben wollte um genau das zu erklären kam ich unweigerlich auf die Politik zu sprechen, weil mich dieses Thema monopolisiert wie kein zweites. Ab spätestens diesem Zeitpunkt war keine Rettung mehr in Sicht. Die Zeilen wurden zu einem Absatz, der Absatz wurde zu einer Seite, die Seiten wurden zu Kapiteln. Die Suche nach Beispielen wurde zur Suche nach Evidenz. Statt zu sagen das ich google und lese rede ich jetzt von Recherche haha.
Dieser Text, ich nenne ihn hier mal „der Artikel“, und meine Hoffnungen und Ansprüche an ihnen wachsen praktisch sekündlich exponentiell an.  Aber ich bin mir sicher das weißt du eh schon, weil ich ja seitdem auch über fast nichts anderes mehr rede. Vor ein paar Tagen ist dann die große Enttäuschung bei mir eingesickert: Uff, bis ich damit fertig bin. Das kann dauern. Und wer will den sowas langes überhaupt lesen? Dann muss „der Artikel“ ja am Ende auch noch wirklich gut sein, wenn er so lang ist, sonst liest ihn wirklich kein Schwein. Und bis dahin müssen mir alle meine armen Freund*innen dabei zuhören wie ich ihnen mit meinen Ideen die Ohren wund rede.

Das Thema „des Artikels“ ist Stand jetzt „Die Rolle (Verantwortungen und Möglichkeiten) des Individuums im Verhältnis zu Kollektiver Aktion und Macht“. Speziell vor dem Hintergrund der Möglichkeiten die sich durch das Internet für politischen Diskurs ergeben. Es geht um den konkreten Spielraum für individuelle Möglichkeiten politischer Partizipation und deren Signifikanz und wie diese im Moment durch Individuen und Gruppierungen im politischen Diskurs genutzt werden. Aussagen über Signifikanz beziehen sich auf den Begriff der Macht. Speziell fokussiere ich mich auf die politische Machtverteilung innerhalb der Gesellschaft durch das Wirtschaftssystems und die politischen Institutionen in Deutschland.

Keine Ahnung, wen diese Zeilen erreichen, aber ich wette, dass das für manche sehr interessant klingt und für manche anderen wie ein Haufen unverständlicher, sinnloser gibberish. Vielleicht ist ja auch der ein oder andere Herr Doktor Professor Einstein dabei, der schon alleine beim Titel des Artikels gleich alles besser weiß. Genau das will ich in „dem Artikel“ vermeiden. Mein Ziel ist es meine Meinungen über Politik und politische Praxis zu teilen, sowie meine Perspektiven darüber, wie ich und Leute um mich herum sich solidarisieren können und effektiv Politik machen können. Wie kann man gemeinsam Entscheidungen treffen und Kollektive formen, oder existierende Kollektive erkennen, vernetzen und gut nutzen? Ein großer, wenn nicht sogar der größte Teil darin ist: Kommunikation.

Ich will diese Perspektiven und Meinungen so formulieren und teilen, dass sie für andere verständlich sind. Und vor allem so, dass sie andere Leute überhaupt erst erreichen. Viele Leute hören nach zwei Zeilen auf zu lesen. Ich frage mich wer alleine bei diesem Text bis hierher gekommen ist. Kritik nehme ich übrigens in jeglichen Kontexten sehr gerne entgegen. Ich bitte sogar darum! Aber bitte, bitte konstruktiv.
„Der Artikel“ ist für mich ein Selbstzweck. Er ist die Frage danach, wie wir besser miteinander kommunizieren können im Kontext der Politik und er ist gleichzeitig in sich selbst ein Teil der Antwort. Für mich ist er der erste Schritt dahin, mir selbst in meinem politischen Handeln mehr gerecht zu werden. Im Prinzip versuche ich mein Problem mit Kommunikation durch Kommunikation zu lösen. Ich schreibe über das schreiben. Ich rede über das reden. Und das mit wenig know how und vielen Erwartungen. Auf jeden Fall finde ich es ziemlich schwierig „den Artikel“ zu schreiben und es erfordert viel Arbeit und Zeit. Viel mehr als ich zuerst dachte.

Aber der Auslöser dafür, dass ich angefangen habe „den Artikel“ zu schreiben, der Funke für mein Feuer, war ja die Aussicht darauf, ihn veröffentlichen zu können. Mein Verhältnis zu den sozialen Medien und der Öffentlichkeit war immer negativ. Ich hatte nie das Gefühl adäquat das teilen zu können, was ich eigentlich sagen will. Alle politischen Posts kamen mit Kontext- und Sinn-los vor. Also hab ich gar nichts geteilt.

Als ich meine Website erstellt habe und angefangen habe “den Artikel” zu schreiben war ich dann so voller Hoffnung und Motivation. Es kam mir wirklich vor wie die Lösung. Endlich kann ich öffentlich etwas sagen und werde gehört und das in einem Medium, das mir so viel Raum und so viele Möglichkeiten gibt! Aber jetzt ist es nicht absehbar wann ich fertig und zufrieden bin. Was wenn er am Ende so lang ist, dass ihn niemand mehr lesen will? Was wenn sich danach herausstellt, dass meine Hoffnungen, die ich ins schreiben gelegt habe vergeblich waren? Warum dann überhaupt schreiben? Da beißt sich die Schlange in den Schwanz. Seit ich recherchiere häufen sich die Dinge, die ich sagen will und die tollen Quellen die ich teilen will zu Bergen. Ich weiß nicht ob und in welcher Form „der Artikel“ die Öffentlichkeit erreichen wird. Aber ich will nicht warten.

Einer meiner Hauptpunkte steht: Ich finde politischer Diskurs muss sich ändern. Ich habe das Gefühl, so viel von dem was in der Öffentlichkeit zu Politik geteilt, gesagt und unternommen wird ist sinn- und kontexktlos oder einfach ineffektiv.
Selbst die politischen Handlungen, die effektiv sind sind meiner Meinung nach nicht ausreichend transparent und sichtbar. Es ist so schwer, nachzuvollziehen, wer da draußen unterwegs ist und was dieser jemand erreichen will und warum und wie jetzt genau. Wie man mitmachen kann und wo man am besten hinpasst. Politik ist Teamwork. Wenn wir sie nicht zusammen machen können ist sie nutzlos. Für die Leute, die schon politisch aktiv sind ist es so schwer nachzuvollziehen, wie man die eigenen politischen Handlungen effektiv gestalten kann. Es ist super schwer Leute zu motivieren und an Ressourcen zu kommen und das führt dazu, dass Leute gleich noch viel weniger Lust und Motivation haben etwas zu machen. Ein Teufelskreis.

Ich will herausfinden wie man ihn brechen kann und versuchen ihn zu brechen. Weil ich an eine andere politische Zukunft glaube, weil ich an Veränderung glaube und weil ich so dermaßen unzufrieden damit bin wie es gerade ist. Auch dieser Post ist nur ein winziges Bruchstück von dem was ich zu sagen habe und ob er gut ist weiß ich auch nicht. Ob ich jemals in der Lage sein werde diesen Teufelskreis auch nur anzustupsen geschweige denn substantiell etwas zu bewirken weiß ich schon gleich dreimal nicht. Ich stelle mir vor, wie er da liegt. Wie eine riesige, träge Schlange.

Aber eins weiß ich: Den Teufelskreis in meinem eigenen Leben kann ich durchbrechen.

Auch wenn die Art wie ich meine Message formuliere nicht gut oder komplett ist, ich will anfangen sie nach außen zu tragen. Und ich will zufrieden damit sein, wenn auch nur ein winziges, schlecht kommuniziertes Bruchstück von dem was ich denke mit irgendwem resoniert. Mal schauen, ob „der Artikel“ irgendwann mal fertig wird. Mal schauen was ich bis dahin so teile. Aber alles was ich teile ist in dem Wissen: Das ist Teil einer größeren Botschaft. Argumente und Konklusionen verlaufen nicht im Sand. Gedanken und Vorhaben bleiben nicht unrealisiert. Ich will Möglichkeiten finden tatsächlich etwas zu verändern, in enger Zusammenarbeit mit anderen und ich will es Schritt für Schritt tun. Das hier ist mein erster Schritt.

Danke fürs Lesen.

Das hier ist die Seite, auf der ich Quellen aus meiner laufenden Recherche sammeln will, die ich teilenswert finde. Vielleicht teile ich auch mal Ausschnitte aus meiner bis jetzt zu Papier gebrachten Arbeit. Mal gucken, was passiert.
Falls ihr zu irgendeinem der Themen interessante Quellen habt, oder Gedanken, dann teilt sie doch gerne in den Kommentaren, schickt mir eine E-Mail oder teilt sie auf irgendeiner anderen Plattform.

Ein paar Definitionen, die ich aus den Transkripten von “what is politics” zusammen gesucht habe. Daniel benutzt für seine Definitionen die „4C” Kriterien – Consensus, Clarity, Convenience, and Consequences.

What is „politics“? – Politics is anything to do with decision making in groups

public politics – decision making involving the state

private politics – every other kind of decision making in groups.

democratic political system – the people affected by decisions have a say in those decisions in proportion to how much they’re affected by the decisions
dictatorial political system – one person or body gets to make decisions, regardless of who‘s affected, like a slave owner making decisions for his slaves

or a political system can be something in between like the representative governments of most western countries where you get to have a say in choosing the people who’ll be making decisions for you for several years at a time – or like a capitalist workplace, where the boss tells you what to do all day, and you have no say, except that you do have the option to leave – if material circumstances make that a viable option.

economics – is anything to do with resources in groups.  How are resources produced, exchanged, distributed, destroyed, stolen.  What incentivizes people to make or buy or sell or steal things? 
An economic system – is a system of rules for how people deal with resources, including who gets to make decisions about resources.
Making decisions about resources that affects groups of people is politics, so any economic system is always going to be a political system as well by definition.

ideology – An ideology is a set of ideas about how things should be, which is based on another underlying idea about how things actually are. 
An ideology can be really simple like a general attitude or outlook, or it can be really detailed like a religion.  

Government – A government is the person or body that makes and enforces rules in a given polity.  So there’s a public government running the state which we call “the government”, but there’s also all sorts of private governments in your life.

when we ask “who gets to decide” we’re asking “who’s the government”

The market – is the collection of choices that people make about buying, selling, and saving their resources given existing conditions. Influenced by their relative power or desperation or needs or wants.

Capitalism – is an economic system, but it’s also a political system, and it’s an ideology, and it’s also a description of how things are produced in a particular mode of production.
Now whether it’s as an economic system or a political system or an ideology, capitalism is just a set of a few rules for dealing with property.
So the first rule is that anything that exists, whether it’s man made objects, or land, or water, or even ideas, can be divided up and owned by private individuals, or else groups of individuals, but voluntary associations of individuals, not collective identity based groups like a tribe or a family or nation.
Next, there are only a few ways of legitimately acquiring property.
You can get something if a legitimate owner gives it to you as a gift, or by donation or inheritance.  You can own something that you obtained by voluntary exchange with a legitimate owner, including trade or buying it (trading for money).  You can own something that was abandoned by a previous owner.  Or you can own something by homesteading,
Homesteading means you found something in nature that no one has claimed yet, and you mix it with your labour – so like you find a piece of land and you build a fence around it, or you till the soil, or you build a house on it.
As the owner of something you have two important political powers with one limit.  You have the power of absolute dictatorship over your property, you can take care of it, or destroy it, or eat it, ruin it, sell it, whatever you want – and you can also defend it from being stolen or from trespassing by force, including murder.  The only limit to your power is that you can’t do anything with your property that damages or trespasses on anyone else’s property, without their permission.  And your body counts as your property, so you can’t hurt anyone directly, and you can defend yourself with violence if necessary.

So we have this legal system that is inspired by capitalism and enforces some aspects of capitalism which a bit weird because according to the rules of capitalism the state isn’t a legitimate organization – you can’t have an involuntary collective organization with powers to forcibly take your property in taxes – but we’ll save that for our episodes on capitalism and libertarianism – but anyhow, the state imposes property rights and enforces them for you

Culture often trumps capitalism in our legal system as well. i.e. parent child relationships in regards to property; or i.e. in cultures with strong ideologic beliefs like i.e. the Bedouin  people. And in a traditional Bedouin society, like before the state had any authority, you didn’t need a state to enforce the rules.  The whole society would enforce the rules via the honour system.  Before states existed it was largely cultural mechanisms which enforced the rules of society.

political hierarchies – where some people have more decision-making power,  more wealth and more rights than other people.
hierarchies serve three related purposes: they facilitate efficient group cooperation, they facilitate conflict avoidance, and they also facilitate the exploitation of less powerful members of the hierarchy by more powerful members of that hierarchy.

Left right spectrum – hierarchy vs. equality
what the left right political spectrum is all about, is where one stands in regards to these hierarchies.  If you support the interests of the people on top of a given hierarchy then you’re on the right on that issue – and if you support the people at the bottom, then you’re on the left.

Drei Politik Dimensionen:
Politics – polity – policy

four categories of politics. four determinants of decision-making power – 
Political institutions, Economics, Culture and Interpolity relations

– so we’re thinking about political institutions that give everyone an equal say, like direct democracy, we’re thinking about equality of rights between different cultural groups, we’re thinking about economic equality because usually the more wealth you have the more decision-making power you have, to buy things to hire people and tell them what to do all day, to donate to political parties and we’re thinking about equality between different polities, like nations and other political groups like tribes, or different levels of government.

[In the analysis of a political system] you have some political questions that pop up that you want to think about:
Who gets to make the decision?
Why do they get to make the decision?
Is there a process or system for making decisions or choosing who gets to make decisions
Who has to follow the decision?
What happens if people don’t follow the decision?
Where does the decision apply?
What are some of the constraints that are going to limit the types of choices that are likely to be made?
when we ask “who gets to decide” we’re asking “who’s the government”

“Against intellectual monopoly” – Michele Boldrin, David K. Levine

Recherche zu “Anna’s Archive”
Die domains sind immer unterschiedlich zugänglich. Mal sind sie gesperrt, mal sind sie erreichbar. Annas Archive ist eine website, die über torrents versucht die größte frei zugängliche Bibliothek der Welt zu werden. Sie sammeln und veröffentlichen Bücher. Dabei verletzten sie natürlich alle möglichen Gesetze zu intellectual property.

“The commons transition primer”

Gary’s Economics
“How to get rich”
“Why money obsession is keeping you poor”

“What is politics” Definition von Wirtschaft, Wirtschaftssystem & Kapitalismus
siehe “what is politics” dictionary weiter oben.

“Bullshit Jobs” – David Graeber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert