PREACH! PREACH! PREACH!
Clip aus meinem Instagram Post:
E-Gitarren Sound & Recorded Sound. Ein unerschöpfliches Thema.
Dieser Kerl, Jim Lill, hat Sound auf einem neuen Level systematisiert, gründlich, elementar und skeptisch unter die Lupe genommen und analysiert. Es ist weniger wie die Bibel und mehr wie eine Wissenschaft und ich liebe es.
Eigentlich geht’s mir nur darum, dass du dir diese Videos anschauen solltest, falls du jemals eine Meinung über E-Gitarren Sound oder Tone hattest. Sie sind so coole, gut recherchierte Quellen, dass ich sie unbedingt empfehlen will. Also kannst du auch gleich zum Ende des Artikels scrollen und sie dir anschauen, dann bin ich schon zufrieden.
Falls es dich interessiert, kannst du sonst auch noch meinen Senf dazu lesen:
Sound ist so ein Punkt, wo gefühlt alle Leute (MÄNNER!) eine Meinung haben und denken sie haben Recht und wissen es ganz genau. Das Schlimme daran ist, dass sie denken sie wissen es besser als manche anderen Leute, von denen sie denken, dass diese es nicht ganz genau wissen (z.B. Frauen, die Gitarre spielen, aber auch Anfänger).
Und dann verhalten sie sich wie absolute Arschlöcher, nehmen diese Leute nicht ernst, reden dabei absolut halbgare Unwahrheiten daher und sorgen dafür, dass man sich fühlt als wäre man inkompetent, unwissend, unberechtigt. So vergrault man Leute aus einem absolut interessanten, geilen Thema.
Nicht nur ist das Arschlochtum vom Feinsten, noch dazu reden sie halt oft gequirlte Scheiße, oder zumindest uninformierte Scheiße. Jim Lill ist mein persönlicher Jesus, weil er die interessanteste, netteste, bescheidenste und in meinen Augen zutreffendste Aussage ever darüber gemacht hat, was bei Gitarren Sound jetzt wirklich wichtig ist und was nicht.
Ja auch dieser Kerl macht Aussagen darüber, was er denkt was den Sound ausmacht. Aber die Methodik dahiner, wie er zu dieser Aussage gekommen ist ist so fundamental anders als die von den meisten Leuten, die vehemente Aussagen über dieses Thema treffen. Zuerst setzt er an einem qualitativ anderen Punkt an und sagt, er versucht Sound nicht anhand von Wörtern zu beschreiben und zu vergleichen. Dann findet er einen Weg, den Sound qualitativ anders zu untersuchen. Indem er nicht darüber redet, sondern auditiv wahrnehmbare Vergleiche macht, die sich möglichst exakt immer nur in einem bestimmten interessierenden Parameter unterscheiden, den es zu untersuchen gilt. Soundbeispiele senden auch andere, aber dass sie auch wirklich vergleichbar sind ist nicht immer gegeben, weil die Vergleichbarkeit nicht durch eine exakte Analyse und Abstimmung der involvierten Parameter hergestellt wird.
Und zweitens ist sein Umgang mit seiner Methodik fundamental anders, weil er sehr transparent teilt, wie er zu seiner Aussage gekommen ist um zu zeigen, warum er denkt, dass sie Validität hat. So kann man die Aussage konstruktiv, informiert und detailliert anfechten. Man kann genau referenzierten welche Stelle seiner Argumentation fehlerhaft sein könnte. Man kann exakt antworten und argumentieren, aus welchen Gründen man denkt, dass es anders sein könnte. Dann geht es wieder zurück zu Methodik, wo man dann durch den gezeigten Prozess, oder andere verfeinerte Prozesse versuchen kann zu demonstrieren, warum man Recht hat. So bewegt man sich weg von Meinungen und hin zu gut begründeten Aussagen, die als Fakten erkannt, anerkannt, vertreten, akkurat reproduziert und nachvollzogen werden können. Und so kommt man dann auch weg davon, die Meinungen von anderen Leuten mit gemeinen Rhetoriken und unbegründeten Wahrheitsansprüchen zu untergraben. Es ist eine offene Konversation. Es geht nicht mehr um Recht haben und sich besser auskennen, sondern um konstruktiven Austausch, der für alle Beteiligten profitabel ist und der alle Standpunkte respektiert und eine informierte Antwort auf sie hat.
Also wenn das nicht wissenschaftlich ist, dann weiß ich auch nicht.
Einerseits treibt mich das oben beschriebene Verhalten von Guitareiros absolut in den Wahnsinn und ich will am Liebsten einfach nur sagen: SUCK IT, hier ist der Gegenbeweis und schau wie viel schlauer und richtiger er ist als deine Behauptungen!
Andererseits, sind diese Videos einfach nur lehrreich und mega interessant für alle Leute, die sich für Gitarren interessieren, egal ob sie sich von Zeit zu Zeit wie Arschlöcher benehmen, oder nicht.
Sein Kanal hat super wenige Videos, die alle sehr Schmackofatzig lecker sind und über alle möglichen Aspekte von Sound reden. Besonders, wenn ihr euch von diesem Text angesprochen oder vor den Kopf gestoßen gefühlt habt schaut doch mal rein. Vielleicht muss man ja nicht Experte über die 1000 Details sein, die wichtig sind für Sound. Vielleicht braucht man einfach nur ein bisschen Bescheidenheit darüber, wie wenig man weiß und wie viel es zu bestaunen gibt. Ich glaube, dann ist man gleich viel weniger Arschloch.
Sidenote: rein aus psychologischer Sicht gibt es viel zu sagen darüber, wovon unser Urteilsvermögen beeinflusst wird und wann wir ihm vertrauen können und sollten. Worüber sich Jim anscheinend bewusst ist, weil er sehr schön darüber redet in seinem Video The One Thing Every Influential Guitar Tone Has In Common bei Minute 4:54.
Daher: große Empfehlung und PREACH Jim Lill!
Oder wie die coolen Kommentare unter seinen Videos sagen:
“This man is singlehandedly demistifying every myth in the audio industry and deserves a spot in music history. Thank you Jim.”
“What a nice way of saying: “This video debunks the sleazy marketing tricks the audio-industrial-complex has been foisting on us since 1950!””
Meine Lieblingsvideos:

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